Wie lässt sich die Wirtschaftlichkeit eines gewerblichen Stromspeichers zuverlässig beurteilen? Entscheidend ist nicht allein der Anschaffungspreis. Unternehmen müssen auch berücksichtigen, wie viel Strom sie selbst nutzen können, welche Leistungsspitzen auftreten und welche zusätzlichen Erlösmöglichkeiten sich durch flexible Speicherstrategien ergeben. Erst das Zusammenspiel aus Investitionskosten, Einsparungen und Betriebskosten zeigt, ob sich ein Speicher langfristig rechnet.
Die Wirtschaftlichkeit hängt von mehreren technischen und betrieblichen Faktoren ab. Ein günstiger Anschaffungspreis allein garantiert noch keine rentable Investition. Wichtig ist, dass die Speicherkapazität und Leistung zum tatsächlichen Energiebedarf des Unternehmens passen.
- Anschaffungskosten: Dazu gehören Batteriesystem, Leistungselektronik, Energiemanagement, Installation und Netzanschluss.
- Betriebskosten: Wartung, Überwachung und laufender Betrieb beeinflussen die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer.
- Wirkungsgrad: Bei jedem Lade- und Entladevorgang entstehen Energieverluste. Je höher der nutzbare Energieanteil, desto mehr Strom steht für die geplante Anwendung zur Verfügung.
- Lebensdauer: Zyklenzahl, Lade- und Entladebedingungen sowie die nutzbare Restkapazität wirken sich auf die langfristige Leistung aus.
- Lastprofil: Verbrauchszeiten, Lastspitzen und vorhandene Photovoltaikleistung bestimmen, wann und wie der Speicher eingesetzt werden kann.
Besonders wichtig ist deshalb eine Analyse der tatsächlichen Verbrauchsdaten. Wie wir bei der Planung eines gewerblichen Stromspeichers erläutern, sollten Unternehmen unter anderem Lastspitzen, Stromtarife, Betriebszeiten und geplante zusätzliche Verbraucher berücksichtigen. Messwerte in 15-Minuten-Intervallen helfen dabei, den konkreten Speicherbedarf zu bestimmen.
Ein gewerblicher Stromspeicher kann Energiekosten auf mehreren Wegen reduzieren. Welche Anwendung den größten wirtschaftlichen Nutzen bietet, hängt von der betrieblichen Verbrauchsstruktur und dem jeweiligen Stromtarif ab.
Unternehmen mit einer Photovoltaikanlage können überschüssigen Solarstrom zwischenspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt selbst nutzen. Dadurch lässt sich der zeitliche Unterschied zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch besser ausgleichen.
- Überschüssigen PV-Strom tagsüber speichern.
- Gespeicherte Energie bei höherem Strombedarf nutzen.
- Den Bezug von Netzstrom reduzieren und den Eigenverbrauch erhöhen.
Besonders interessant ist diese Anwendung für Betriebe, deren Stromverbrauch nicht vollständig mit den Erzeugungszeiten der Photovoltaikanlage übereinstimmt.
In vielen Unternehmen steigt der Strombedarf zeitweise stark an, etwa wenn mehrere Maschinen gleichzeitig betrieben werden. Ein Speicher kann in solchen Situationen Energie bereitstellen und die Leistungsspitzen am Netzanschlusspunkt begrenzen.
Damit Peak Shaving wirtschaftlich funktioniert, müssen die Entladeleistung und die verfügbare Speicherkapazität auf Höhe und Dauer der Lastspitzen abgestimmt sein. Entscheidend ist außerdem, wie der jeweilige Stromtarif Leistungskosten berücksichtigt.
Auch unterschiedliche Strompreise im Tagesverlauf können für den Speicherbetrieb relevant sein. Das System kann in günstigeren Zeitfenstern geladen und die gespeicherte Energie später genutzt werden, wenn der Strombezug teurer wäre.
Die tatsächliche Einsparung hängt dabei von der Preisdifferenz, dem Wirkungsgrad und den Betriebskosten ab. Eine intelligente Steuerung muss deshalb nicht nur den Strompreis, sondern auch den Energiebedarf des Unternehmens berücksichtigen.
Neben der Reduzierung des eigenen Strombezugs kann ein gewerblicher Batteriespeicher auch für die Nutzung von Strompreisschwankungen interessant sein. Dabei müssen zwei Ansätze unterschieden werden: die Optimierung des eigenen Energiebezugs und die tatsächliche Teilnahme am Stromhandel.
Bei einer preisorientierten Speicherstrategie wird Strom in günstigeren Zeitfenstern aufgenommen und zu einem späteren Zeitpunkt genutzt oder – sofern die technischen und vertraglichen Voraussetzungen erfüllt sind – vermarktet.
Für die Wirtschaftlichkeit sind insbesondere folgende Faktoren relevant:
- Die Differenz zwischen den Lade- und Entladepreisen.
- Der Wirkungsgrad des Speichers und die damit verbundenen Energieverluste.
- Die verfügbare Speicherkapazität und Ladeleistung.
- Die Kosten für Betrieb und Vermarktung.
Nicht jede Preisdifferenz führt automatisch zu einem wirtschaftlichen Vorteil. Entscheidend ist, ob der mögliche Erlös die Kosten und Verluste des Speicherbetriebs übersteigt.
Bei einer tatsächlichen Vermarktung von Speicherstrom wird die Batterie gezielt in eine Handelsstrategie eingebunden. Dafür müssen die technischen, vertraglichen und marktbezogenen Voraussetzungen erfüllt sein. Je nach Modell erfolgt die Vermarktung über einen geeigneten Handelspartner oder einen entsprechenden Marktzugang.
Unternehmen sollten dabei prüfen, welcher Anteil der Speicherkapazität für den eigenen Betrieb benötigt wird und welcher Anteil für die Vermarktung verfügbar bleiben kann. Die Versorgung des Unternehmens darf durch die Handelsstrategie nicht beeinträchtigt werden.
Ein Energiemanagementsystem koordiniert Lade- und Entladevorgänge anhand der verfügbaren Kapazität, des aktuellen Energiebedarfs und der festgelegten Betriebsstrategie.
So lässt sich beispielsweise die Eigenversorgung priorisieren, während freie Speicherkapazitäten für weitere Optimierungsstrategien berücksichtigt werden. Ob daraus zusätzliche Handelserlöse entstehen, hängt von der konkreten Vermarktungsmöglichkeit und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.
Ein Speicher muss nicht auf eine einzige Anwendung beschränkt sein. Wenn die technischen Voraussetzungen stimmen, können Unternehmen verschiedene Betriebsstrategien miteinander kombinieren. Dieses Prinzip wird häufig als Multi-Use oder Value Stacking bezeichnet.
- Eigenverbrauch und Peak Shaving: Der Speicher nimmt überschüssigen PV-Strom auf und stellt bei hohen Lasten Energie bereit. So können Unternehmen ihren Netzstrombezug und Leistungsspitzen reduzieren.
- Eigenverbrauch und Energy Trading: Die betriebliche Eigenversorgung erhält Priorität. Verfügbare Kapazitäten können anschließend für eine zusätzliche Vermarktungsstrategie genutzt werden.
- Peak Shaving und Lastverschiebung: Der Speicher unterstützt die Begrenzung von Lastspitzen und verschiebt den Energiebezug in günstigere Zeitfenster.
Die Kombination mehrerer Anwendungen erfordert eine abgestimmte Steuerung. Werden zu viele Lade- und Entladevorgänge eingeplant, können zusätzliche Zyklen und eine stärkere Beanspruchung der Batterie entstehen. Deshalb sollte das EMS die wirtschaftlichen Vorteile jeder Anwendung gegen Energieverluste und Batterienutzung abwägen.
Um die Wirtschaftlichkeit eines gewerblichen Stromspeichers zu beurteilen, sollten Unternehmen nicht nur die anfänglichen Investitionskosten betrachten. Entscheidend ist der jährliche Nettoeffekt aus Einsparungen, zusätzlichen Erlösen und laufenden Kosten.
- Investitionskosten: Gesamtkosten für Batteriespeicher, Wechselrichter, Energiemanagement, Installation und Netzanschluss.
- Jährliche Einsparungen: Reduzierte Strombezugskosten durch Eigenverbrauch, Peak Shaving und Lastverschiebung.
- Zusätzliche Erlöse: Einnahmen aus möglichen Vermarktungs- und Handelsstrategien.
- Betriebskosten: Wartung, Energieverluste, Betriebsführung und gegebenenfalls Vermarktungsgebühren.
Eine vereinfachte Berechnung lautet:
Jährlicher Nettoertrag = jährliche Kosteneinsparungen + zusätzliche Erlöse − jährliche Betriebskosten.
Die Amortisationszeit ergibt sich anschließend aus dem Verhältnis der Investitionskosten zum jährlichen Nettoertrag. Für eine umfassendere Bewertung können Unternehmen zusätzlich den Return on Investment (ROI) und den Kapitalwert über die geplante Nutzungsdauer berücksichtigen.
Ein belastbares Ergebnis setzt reale Verbrauchsdaten voraus. Dazu gehören:
- Stromverbrauch und Lastspitzen im Tages- und Jahresverlauf.
- Bestehende Photovoltaikleistung und verfügbare Überschüsse.
- Energie- und Leistungspreise des Stromtarifs.
- Geplante Betriebszeiten und zukünftige Verbraucher.
- Vorgesehene Speicherleistung und nutzbare Kapazität.
Auf dieser Grundlage lassen sich unterschiedliche Betriebsstrategien vergleichen. So wird sichtbar, welche Anwendung den größten wirtschaftlichen Beitrag leistet und ob sich die Kombination mehrerer Anwendungen tatsächlich lohnt.
Die technische Auslegung beeinflusst unmittelbar, welche Anwendungen ein Speicher unterstützen kann. Neben der Kapazität sind deshalb auch Ausgangsleistung, Kühlkonzept, Erweiterbarkeit und Energiemanagement relevant.
Für gewerbliche und industrielle Anwendungen bieten wir mit OASIS A200 und OASIS L261 unterschiedliche Systemkonfigurationen.
200 kWh · 125 kW · IP55
Die OASIS A200 All-in-One Lösung kombiniert eine Nennkapazität von 200 kWh mit einer Nennausgangsleistung von 125 kW. Das System nutzt industrielle Klimatisierung und ist für die Außenaufstellung mit Schutzklasse IP55 ausgelegt.
Durch die Integration mit Photovoltaikanlagen und Hybridwechselrichtern sowie die Unterstützung von Peak Shaving und Lastverschiebung eignet sich das System für unterschiedliche betriebliche Anforderungen. Die intelligente LCU ermöglicht Echtzeitüberwachung, Fernsteuerung und cloudbasiertes Energiemanagement. Die angegebene Zellzykluslebensdauer beträgt 9.000 Zyklen unter den definierten Prüfbedingungen von 25 °C, 0,5C/0,5C, 90 % DOD und EOL 70 %.
261 kWh · Flüssigkeitskühlung · IP55
Die OASIS L261 All-in-One Lösung verfügt über eine Nennkapazität von 261 kWh und ein Flüssigkeitskühlsystem. Mit Schutzklasse IP55 ist sie für die Außenaufstellung ausgelegt. Die modulare Systemkonfiguration unterstützt die Parallelerweiterung und ermöglicht eine Anpassung an unterschiedliche gewerbliche und industrielle Anforderungen.
Das System unterstützt unter anderem Peak Shaving, Lastverschiebung und Notstromanwendungen. Die angegebene Zellzykluslebensdauer liegt ebenfalls bei 9.000 Zyklen unter den Prüfbedingungen von 25 °C, 0,5C/0,5C, 90 % DOD und EOL 70 %. Diese Angabe beschreibt definierte Testbedingungen und ist nicht unmittelbar mit einer bestimmten Anzahl von Betriebsjahren gleichzusetzen.
Bei der Auswahl zwischen den Systemen kommt es darauf an, welche Leistung und Kapazität der Betrieb benötigt und welche Anwendungen wirtschaftlich umgesetzt werden sollen. Eine passende Dimensionierung hilft, ungenutzte Speicherkapazitäten und unnötige Investitionskosten zu vermeiden.
Ein gewerblicher Stromspeicher kann wirtschaftlich interessant sein, wenn mehrere Voraussetzungen zusammenkommen:
- Das Unternehmen hat einen hohen oder zeitweise stark schwankenden Strombedarf.
- Es entstehen relevante Lastspitzen oder hohe Leistungskosten.
- Eine Photovoltaikanlage erzeugt regelmäßig Stromüberschüsse.
- Unterschiedliche Strompreise ermöglichen eine gezielte Lastverschiebung.
- Zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten lassen sich technisch und wirtschaftlich sinnvoll integrieren.
Entscheidend bleibt die individuelle Projektanalyse. Ein Speicher mit hoher Kapazität ist nicht automatisch wirtschaftlicher als ein kleineres System. Erst wenn Leistung, Kapazität und Steuerungsstrategie zum tatsächlichen Verbrauch passen, kann das vorhandene Einspar- und Erlöspotenzial ausgeschöpft werden.
Wir unterstützen Unternehmen bei der Bewertung geeigneter Speicherlösungen für gewerbliche und industrielle Anwendungen. Kontaktieren Sie Sunwoda, um Ihre Anforderungen, Ihr Lastprofil und mögliche Einsatzstrategien zu besprechen und eine passende Speicherlösung für Ihr Projekt zu entwickeln.